Eine der folgenreichsten Entscheidungen, die Amerika je getroffen hat, war, Pensionen durch 401(k)-Pläne zu ersetzen und dann Millionen ganz normaler Menschen über Indexfonds und Altersvorsorgekonten in den Aktienmarkt zu schleusen.
Nicht weil das die meisten Amerikaner in irgendeinem Sinn zu Kapitaleignern gemacht hätte. Aktienbesitz konzentriert sich nach wie vor ganz überwiegend bei den obersten 0,1 %. Aber es hat genug Leuten ein bisschen Beteiligung verschafft, sodass die Öffentlichkeit anfing, sich emotional mit den Interessen der besitzenden Klasse zu identifizieren. Damit hat sich das Interesse der Mittelschicht gegen sie selbst gerichtet.
Heute gilt ein steigender Aktienmarkt als Beweis für nationale Gesundheit, selbst wenn große Teile des Landes immer unbezahlbarer, instabiler und schwerer werden, sich darin eine Zukunft aufzubauen. Die Wohnkosten explodieren, jüngere Arbeitnehmer schieben die Familie auf, die Schulden steigen, die Löhne hinken der Asset-Inflation hinterher, aber solange die Altersvorsorgekonten klettern, fühlt sich das System für einen riesigen Teil der Öffentlichkeit weiter funktionsfähig an. Immer weniger Jobsicherheit ist großartig für den Aktienmarkt, gut dafür, dass Firmen nach Belieben Leute entlassen können, aber sehr schlecht für die Öffentlichkeit. Doch wenn deine ganzen Ersparnisse im Aktienmarkt stecken, ist es dir auf einmal nicht mehr so wichtig.
Das ist die eigentliche K-förmige Wirtschaft. Leute mit wertsteigernden Vermögenswerten bewegen sich nach oben, während Leute, die vor allem vom Lohn abhängen, zurückfallen. Und weil so viele Amerikaner inzwischen wenigstens etwas Aktien in ihrer Altersvorsorge haben, verteidigen sie am Ende politisch genau die Marktdynamiken, von denen ganz überwiegend Milliardäre, große Investoren und große Vermögensbesitzer profitieren.
Billiges Geld treibt die Aktien hoch? Gut für dein 401(k). Entlassungen verbessern die Margen? Gut für den Markt. Wohnungsknappheit lässt die Immobilienpreise steigen? Die bestehenden Eigentümer profitieren. Tech-Monopole konsolidieren sich weiter? Der Index klettert. Die Öffentlichkeit ist finanziell und psychologisch an die Asset-Inflation selbst gebunden.
Und wenn das passiert, hört der Aktienmarkt auf, ein Indikator unter vielen zu sein, und wird zum emotionalen Zentrum des amerikanischen Wirtschaftslebens. Politiker reagieren schneller auf Markteinbrüche als auf langfristigen sozialen Verfall, weil Altersvorsorge, politisches Vertrauen und der Reichtum der Eliten jetzt im selben System miteinander verschmolzen sind.
Das Ergebnis ist ein Land, in dem der Markt boomen kann, während das normale Leben darunter teurer und fragiler wird. Den Amerikanern hat man erzählt, eine breite Marktbeteiligung würde Wohlstand demokratisieren. Bewirkt hat sie vor allem, dass sich Millionen Menschen verantwortlich fühlen, ein System zu verteidigen, in dem die größten Gewinne sich nach wie vor ganz oben konzentrieren.