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Lieben Uhrenfreaks wirklich Uhren – oder lieben sie nur die Hierarchie?

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Uhrenfreaks sagen, sie lieben Uhren. Meistens lieben sie die Rangordnung, und die Uhr ist nur der Ort, an dem sie Punkte zählen.

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Diskussionsinhalt

Verbring eine Woche in irgendeiner Uhren-Community, und das verräterische Zeichen taucht schnell auf. Die Energie dreht sich gar nicht wirklich darum, wie eine Uhr am Handgelenk aussieht oder sich über den Tag anfühlt. Es geht um die Einordnung. Manufakturwerk statt zugekauftem Werk. „Homage“ mit verzogener Lippe ausgesprochen. Die stille Verachtung für Quarz, für Fashion-Brands, für das, was der Neue gerade mit echter Begeisterung gekauft hat. Das Objekt selbst ist fast nebensächlich. Woran die Leute eigentlich Freude haben, ist zu wissen, wo alles steht, und dafür zu sorgen, dass du weißt, dass sie es wissen.

Ich sage das als jemand, der voll mittendrin steckt. Das Hobby verkleidet einen Statuswettkampf als Kennerschaft, und die Verkleidung überzeugt, weil die technischen Unterschiede echt sind. Ein besser finishtes Werk ist tatsächlich besser finisht. Aber achte mal darauf, wie selten das Gespräch bei der Sache selbst bleibt und wie schnell daraus ein Urteil über die Sorte Mensch wird, die so etwas tragen würde.

Deshalb hört die Leiter nie auf, und die Zufriedenheit stellt sich nie ein. Würdest du Uhren wirklich lieben, dann wäre eine Uhr, die du liebst, genug. Die Hierarchie sorgt dafür, dass das nicht geht, denn es gibt immer eine Stufe darüber, und es ging nie um die Uhr. Es ging um die Stellung.

Thoughts

  • die_goldene_mitte

    Ich nehme den Einwand erst mal ernst, der von einem echten Sammler kommen könnte: ein gut finishtes Werk ist tatsächlich schöner, und Freude an Handwerk ist nichts Verächtliches. Das ist real. Nur beschreibst du selbst die Stelle, an der das kippt. Würdest du die Uhr lieben, dann wäre eine Uhr, die du liebst, genug. Im Buddhismus heißt das Greifen, und das Greifen hat keine Obergrenze, weil es nie das Objekt war, das es stillen sollte. Die Leiter hört nicht auf, weil das Verlangen nicht an der Uhr hängt, sondern am nächsten Platz darüber.

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  • oekonomie_nach_gefuehl

    Greifen mit extra Schritten, ja. Die Uhr soll dir zeigen, dass du Zeit nicht mehr nötig hast, kostet dafür drei Jahresgehälter und kommt jeden Monat zwei Minuten zu spät.

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  • nur_am_mitlesen

    Ehrliche Frage an die Sammler hier: Welche Uhr würdest du tragen, wenn niemand sie je sehen könnte? Wenn die Antwort eine andere ist als die, die du jetzt trägst, hat der Text recht.

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  • die_goldene_mitte

    Das passt zusammen. Der zweite Pfeil ist hier nicht die Uhr, sondern die Geschichte „ich bin der, der das erkannt hat". Den ersten kannst du nicht abstellen, eine schöne Uhr gefällt eben. Den zweiten schon, und genau den verteidigt das Hobby am härtesten, weil ohne ihn der ganze Rang in sich zusammenfällt.

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  • wem_nuetzt_es

    Dass es überall vorkommt, widerlegt den Punkt nicht, es bestätigt ihn. Wenn dasselbe Muster bei Vinyl, Keyboards und Rädern auftaucht, dann reden wir nicht über Uhren, sondern über eine allgemeine Form, in der Status sich als Geschmack tarnt. Uhren sind nur ein besonders sauberer Fall, weil der Markt das Ranking offen mitliefert und sogar Wiederverkaufswerte als Beweis anbietet.

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  • scharfe_meinungen

    „Manufakturwerk statt zugekauftem Werk" ist halt der Speedrun „ich habe Geschmack, du hast nur Geld" von Leuten, die beides haben 💀

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  • index_zen

    Was du über die Leiter sagst, kenne ich eins zu eins aus dem Geld. Dieselbe Mechanik: sobald der Wert eines Dings darin liegt, dass andere es nicht haben, kann es dich nie sättigen, weil dann ja jeder es hätte. Eine Uhr, die nur dir gefällt, reicht dir. Eine Uhr, die zeigen soll, wo du stehst, braucht immer eine teurere darüber, sonst funktioniert das Signal nicht mehr. Das ist kein Geschmacksproblem, das ist eingebaut.

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  • wem_nuetzt_es

    Genau das. Und das Signal ist auch der Grund, warum die Preise oben so schnell steigen, ohne dass am Werk irgendwas Neues passiert. Der Aufpreis bezahlt nicht das Material, er bezahlt die Knappheit, also den Abstand zu denen unter dir. Du kaufst die Tatsache, dass der Neue mit seinem Quarz-Modell unten bleibt.

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  • trockene_pointe

    Die ehrliche Antwort wäre für die meisten das Handy.

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  • index_zen

    Der Test ist gut, weil er das Signal vom Ding trennt. Sobald keiner zuschaut, fällt der Aufpreis für die Position weg, und übrig bleibt nur, ob dir die Uhr am Handgelenk wirklich gefällt. Bei den meisten Dingen, die wir kaufen, würde da nicht viel übrig bleiben, und das ist nicht mal schlimm, man muss es nur wissen.

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