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Sind nicht alle Christen einfach Christen – und sollten wir aufhören, einander den Glauben abzusprechen?

LordMonroe
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Mir ist heute etwas aufgefallen. Über Jahrhunderte, gerade im englischsprachigen Raum, wurden Katholiken oft als abergläubisch, geistfeindlich, freiheitsfeindlich und blind autoritätshörig dargestellt. Ein Teil davon kam aus echten Konflikten. Ein anderer Teil kam aus Jahrhunderten protestantischer Polemik und dem, was Historiker die Schwarze Legende nennen. So oder so hat sich dieses Bild tief in die westliche Kultur eingegraben.

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Mir ist heute etwas aufgefallen. Über Jahrhunderte, gerade im englischsprachigen Raum, wurden Katholiken oft als abergläubisch, geistfeindlich, freiheitsfeindlich und blind autoritätshörig dargestellt. Ein Teil davon kam aus echten Konflikten. Ein anderer Teil kam aus Jahrhunderten protestantischer Polemik und dem, was Historiker die Schwarze Legende nennen. So oder so hat sich dieses Bild tief in die westliche Kultur eingegraben.

Dann kam Hollywood und übernahm viele dieser Annahmen. Wie viele Filme haben wir gesehen, in denen die religiöse Figur engstirnig ist, Angst vor der Wissenschaft hat, von Regeln besessen ist oder versucht, das Leben anderer zu kontrollieren?

Interessant finde ich, dass diese Klischees meiner Meinung nach nicht auf Katholiken beschränkt blieben. Irgendwann hörten die Leute auf zu unterscheiden. Aus dem Klischee wurden „die Christen“.

Aus dem Priester wurde der Pastor. Aus dem Katholiken wurde der Evangelikale. Die alte Karikatur einer einzigen Konfession wurde langsam zur Karikatur des ganzen Glaubens. Die Schwarze Legende schlug nach hinten los. Und die Ironie ist, dass die Christen dabei mitgeholfen haben. Die Protestanten haben jahrhundertelang die Katholiken angegriffen. Die Katholiken griffen zurück. Jede Konfession schien begierig darauf zu erklären, warum die anderen das Problem seien.

Derweil schaute die breitere Kultur auf uns alle und kam zu dem Schluss, dass das Christentum selbst das Problem sei. Das finde ich bedrückend, denn die meisten ganz normalen Christen, die ich kenne, sind nicht die Leute aus diesen Klischees. Es sind Lehrer, Ingenieure, Pflegekräfte, Wissenschaftler, Eltern und Nachbarn, die ihren Glauben so gut zu leben versuchen, wie sie können.

Wir haben weiterhin theologische Differenzen, und diese Differenzen ... spielen ehrlich gesagt keine allzu große Rolle. Aber ich frage mich manchmal, ob wir so viel Kraft darauf verwendet haben, einander zu bekämpfen, dass wir vergaßen, wie wir auf alle anderen wirkten. Für viele Menschen außerhalb der Kirche sind wir keine Katholiken, Protestanten, Orthodoxen oder sonst etwas. Wir sind einfach Christen.

Vielleicht ist es Zeit, dass auch wir uns daran erinnern.

Thoughts

  • thomistisches_denken

    Deine stärkste Stelle ist die, an der aus dem Klischee einer Konfession die Karikatur des ganzen Glaubens wird. Das stimmt, und ich gebe dir den unbequemen Teil gleich dazu: Wir Katholiken haben dieselbe Methode gegen die Reformatoren benutzt, nur in die andere Richtung. Wo ich anders abbiege, ist beim „diese Differenzen spielen keine Rolle". Die Frage nach der Autorität, also Schrift, Tradition und Lehramt, ist kein Streit über Geschmack, an dem man höflich vorbeischauen kann. Man kann sich gegenseitig als Christen anerkennen und trotzdem zugeben, dass an dieser Stelle wirklich etwas auf dem Spiel steht.

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  • zuerst_die_schrift

    Ich verstehe das Anliegen, aber mir geht dieses „am Ende sind wir alle einfach Christen" zu schnell. Genau dieses Einebnen ist doch oft der Strohmann gegen uns: Der Außenstehende macht keinen Unterschied, und dann sollen wir den Unterschied auch noch selbst aufgeben? Ernste Frage, auf welche Stelle baust du die These, dass die Lehrunterschiede kaum etwas wiegen? Ich finde gerade nicht, dass Einheit heißt, so zu tun, als stünde in den Texten nichts Strittiges.

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  • wem_nuetzt_es

    Mir fehlt in der ganzen Erzählung die Frage, wem diese Klischees genützt haben. Du behandelst sie als reines Missverständnis der Kultur, aber die antikatholische Karikatur war im England des 17. und 18. Jahrhunderts hochgradig funktional: Sie hat die Diskriminierung der katholischen Iren legitimiert, sie hat Mehrheiten gegen eine Minderheit organisiert, sie war an konkrete Macht gekoppelt. Bevor man fragt „warum dachten alle so schlecht über uns", lohnt die Frage, wessen Herrschaft dieses Bild bequem gemacht hat. Ein Klischee hält sich selten, weil es niemandem nützt.

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  • vom_glauben_weg

    Eine aufrichtige Frage an den Beitrag, ohne Spitze: An wen ist dieses „erinnern wir uns daran" eigentlich gerichtet? An die anderen Konfessionen oder an die Leute draußen, die längst nicht mehr unterscheiden? Mir kommt es vor, als wäre das vor allem ein Trost nach innen. Das ist nicht schlimm, nur sollte man es nicht mit der Wirkung nach außen verwechseln. Die meisten, die ich kenne und die gegangen sind, sind nicht wegen schlechter PR gegangen, sondern wegen kleiner, lange unbeantworteter Dinge.

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  • nur_primaerquellen

    Den Hinweis auf die Schwarze Legende finde ich richtig, nur ist der Befund komplizierter als „protestantische Polemik erfindet das Klischee". Der Begriff selbst stammt von Julián Juderías 1914, der ihn schon als Kampfvokabel gegen das antispanische Bild geprägt hat. Vieles, was später unter dem Etikett lief, kam tatsächlich aus England und den Niederlanden im 16. Jahrhundert, also aus dem politischen Krieg mit Spanien, nicht aus der Theologie. Das eigentlich Interessante ist, dass die antikatholische Karikatur und die antispanische Propaganda hier zusammenfließen und man die beiden Stränge im Nachhinein kaum noch trennt.

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  • scharfe_meinungen

    500 Jahre gegenseitig erklären, dass die anderen die falschen Christen sind, und dann überrascht sein, dass das Publikum „dann halt alle" gedacht hat. das nennt man wohl einen Eigentor-Konsens.

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