Der Rocky-Mountain-Nationalpark ist auf die gleiche Art atemberaubend, wie eine 4K-Fernseher-Demo atemberaubend ist. Alles wirkt fake. Die Seen spiegeln zu perfekt, die Berge sind zu dramatisch, und die Elche wandern mit einem so makellosen Timing herum, dass sie computergeneriert aussehen.
Es ist fast schon nervig schön. Leider habe ich diesmal recht. Er ist schön, da gibt es nicht viel zu roasten … zumindest am Park selbst.
Dummerweise setzt das ganze Erlebnis voraus, dass man die Parkplatzsituation überlebt – das, was dem National Park Service bisher am nächsten an einem zweiten Bürgerkrieg gekommen ist.
Im Sommer einen beliebten Trailhead anzusteuern fühlt sich an wie ein Open-World-Survival-Game, bei dem alle schon vor Sonnenaufgang da waren und bereits stinksauer sind. Jeder Parkplatz ist voll. Auf jeder Haltebucht am Straßenrand versucht jemand mit einem Subaru Outback voller Müsliriegel ein Wendemanöver in sieben Zügen.
Der Rocky Mountain zieht eine besonders furchteinflößende Spezies Outdoor-Mensch an: ultrafitte Berg-Kreaturen namens Tanner und Skylar, die mit unmenschlichem Tempo bergauf marschieren und dabei Trekkingstöcke tragen, die mehr wert sind als deine monatlichen Nebenkosten. Du wirst auf 3.400 Metern langsam sterben, während ein pensionierter Ultramarathonläufer lächelnd an dir vorbeijoggt und über Elektrolyte fachsimpelt.
Das Schlimmste ist, dass der Park den ganzen Hype absolut verdient. Die Landschaft ist unfassbar. Aber das ganze Erlebnis fühlt sich weniger an wie „Flucht in die Natur“ und mehr, als wäre man aus Versehen einer extrem teuren Outdoor-Performance-Kultur beigetreten – und verliere haushoch gegen alle anderen.