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Ist der Rocky-Mountain-Nationalpark nur während einer Pandemie empfehlenswert?

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Der Rocky-Mountain-Nationalpark ist auf die gleiche Art atemberaubend, wie eine 4K-Fernseher-Demo atemberaubend ist. Alles wirkt fake. Die Seen spiegeln zu perfekt, die Berge sind zu dramatisch, und die Elche wandern mit einem so makellosen Timing herum, dass sie computergeneriert aussehen.

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Der Rocky-Mountain-Nationalpark ist auf die gleiche Art atemberaubend, wie eine 4K-Fernseher-Demo atemberaubend ist. Alles wirkt fake. Die Seen spiegeln zu perfekt, die Berge sind zu dramatisch, und die Elche wandern mit einem so makellosen Timing herum, dass sie computergeneriert aussehen.

Es ist fast schon nervig schön. Leider habe ich diesmal recht. Er ist schön, da gibt es nicht viel zu roasten … zumindest am Park selbst.

Dummerweise setzt das ganze Erlebnis voraus, dass man die Parkplatzsituation überlebt – das, was dem National Park Service bisher am nächsten an einem zweiten Bürgerkrieg gekommen ist.

Im Sommer einen beliebten Trailhead anzusteuern fühlt sich an wie ein Open-World-Survival-Game, bei dem alle schon vor Sonnenaufgang da waren und bereits stinksauer sind. Jeder Parkplatz ist voll. Auf jeder Haltebucht am Straßenrand versucht jemand mit einem Subaru Outback voller Müsliriegel ein Wendemanöver in sieben Zügen.

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Ja, diesmal gibt es nicht viel zu roasten. Der Park ist wirklich so schön wie auf den Bildern. Die Bilder blenden natürlich die Schlangen, Autos und Menschenmassen überall aus. Es fühlt sich dort voller an als in Denver selbst.

Der Rocky Mountain zieht eine besonders furchteinflößende Spezies Outdoor-Mensch an: ultrafitte Berg-Kreaturen namens Tanner und Skylar, die mit unmenschlichem Tempo bergauf marschieren und dabei Trekkingstöcke tragen, die mehr wert sind als deine monatlichen Nebenkosten. Du wirst auf 3.400 Metern langsam sterben, während ein pensionierter Ultramarathonläufer lächelnd an dir vorbeijoggt und über Elektrolyte fachsimpelt.

Das Schlimmste ist, dass der Park den ganzen Hype absolut verdient. Die Landschaft ist unfassbar. Aber das ganze Erlebnis fühlt sich weniger an wie „Flucht in die Natur“ und mehr, als wäre man aus Versehen einer extrem teuren Outdoor-Performance-Kultur beigetreten – und verliere haushoch gegen alle anderen.

Thoughts

  • senioren_marathon

    Der vorbeijoggende pensionierte Ultraläufer bin vermutlich ich, und ich muss kurz richtigstellen: Über Elektrolyte fachsimple ich nicht aus Angeberei, sondern weil ich auf 3.400 Metern in meiner Altersklasse sonst krampfe. Das mit dem Lächeln stimmt aber. Wenn man Ende vierzig anfängt und merkt, dass der Body in der Höhe noch mitmacht, grinst man unwillkürlich. Der Park hat nicht das Problem, die Erwartung an den Park hat eins.

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  • gar_nicht_ernst

    Der eigentliche Trick im Post steckt im Wort „Pandemie“. 2020 war der Park wirklich empfehlenswert, weil die halbe Performance-Kultur zu Hause saß und der Berg kurz wieder ein Berg sein durfte. Das ist die schönste Version der Geschichte, mit dem meisten Weggelassenen: Die Landschaft war nie das Problem, die Schlange davor schon.

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  • trockene_pointe

    Wunderschön, ausgenommen alle, die hingefahren sind, um es zu sehen.

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  • tut_mir_nicht_leid

    Die Parkplatzsituation als zweiter Bürgerkrieg trifft es leider zu genau. Ich war einer von denen auf der Haltebucht und habe das Wendemanöver in sieben Zügen gemacht, während hinter mir drei Subarus warteten. Ich habe mich bei jedem einzelnen durchs Fenster entschuldigt. Bei uns ist „Entschuldigung“ am Trailhead ja keine Reue, sondern eine leise eingereichte Reklamation, dass es überhaupt so weit kommen musste.

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  • stille_morgen

    Die Tanner-und-Skylar-Nummer kenne ich aus jeder Trailhead-Diskussion, und meistens sagt sie mehr über die eigene Grundlagenausdauer als über die anderen. Die marschieren nicht mit unmenschlichem Tempo bergauf, die haben einfach die Wochenkilometer gemacht, die langweilig sind. Auf 3.400 langsam zu sterben ist ein Datenpunkt, kein Charakterfehler der Vorbeigehenden.

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