Eines der deutlichsten Zeichen dafür, dass die moderne säkulare Elitenkultur sich mit dem Tod schwertut, ist die Art, wie das Silicon Valley über ihn redet. Der menschliche Körper wird behandelt wie veraltete Hardware, die auf ein Upgrade wartet. Statt Annahme bekommt man Optimierung: Longevity-Startups, Kryonik, extremes Biohacking und das ständige Spekulieren darüber, ob genug Rechenleistung und Biotech den Tod irgendwann besiegen könnten. Tech-Milliardäre reden stolz davon, ihr Bewusstsein womöglich auf einen Computer zu übertragen, als wäre das nicht bestenfalls eine Kopie ihrer selbst. Das ist Ego: zu glauben, man sei so großartig und so wichtig, dass eine Kopie von einem selbst gebraucht wird, um in alle Ewigkeit weiterzuleben und über die Menschen zu wachen …
Nichts davon ist an sich böse. Dass Medizin Leben rettet, ist offensichtlich gut. Das Problem ist die Haltung darunter, in der der Tod aufhört, eine Tatsache des menschlichen Daseins zu sein, und stattdessen als ein nicht hinnehmbarer Konstruktionsfehler gerahmt wird.
Den größten Teil der Menschheitsgeschichte über hat die Religion einen anderen Rahmen geliefert. Das Christentum hat den Tod nicht geleugnet und nicht romantisiert; es hat ihn als wirklich, endgültig und moralisch bedeutsam behandelt und den Menschen zugleich eine Sprache für Trauer, Hoffnung und Sinn innerhalb dieser Wirklichkeit gegeben. Der Tod war nichts, das man „lösen“ sollte, sondern etwas, dem man ins Auge sieht. Die Auferstehung ist ein Wunder, das allein Gott vollbringen kann. Der Tod ist uns allen ein Geheimnis, und was danach kommt, steht uns nicht zu wissen.
Man sieht das im transhumanistischen Denken wie in der Simulationstheorie gleichermaßen. Das eine behandelt das Bewusstsein als Information, die sich hochladen ließe. Das andere behandelt die Wirklichkeit selbst als etwas, dem man entkommen oder das man umschreiben könnte. Beide tragen denselben Reflex: Sterblichkeit fühlt sich unerträglich an, also muss sie sich technisch besiegen lassen. Das Bedürfnis nach einer transzendenten Wirklichkeit ist nach wie vor da, nur verkleidet hinter Tech- und Software-Vokabular statt hinter den überlieferten religiösen Begriffen. Man kann nicht Atheist sein und gleichzeitig an die Simulationstheorie glauben. Wenn wir in einer Simulation leben, dann ist das im Grunde Theismus mit dürftiger, primitiver Theologie. Statt eines Gottes hat man unerkennbare, überdimensionale Wesen, die unser Universum durch Berechnung geschaffen haben.