Was ich im Gym jeden Tag sehe, sind Personal Coaches (meistens vom Studio selbst), die dafür bezahlt werden, herumzulaufen und dem Trainierenden ein paar Grundübungen zu zeigen. Die meisten gehen mit einer simplen Annahme ins Coaching: Ich habe ein Ziel, und der Coach wird bezahlt, um mich da hinzubringen. Aber das stimmt nicht. Der Coach betreibt auch ein Business, und Businesses reagieren auf Anreize, egal ob der Betreiber offen damit umgeht oder nicht.
Wenn ein Coach pro Session, pro Paket oder für laufende Betreuung bezahlt wird, dann wird er nicht automatisch dafür belohnt, dass du schnell Ergebnisse bekommst. Schon gar nicht dafür, dir richtig beizubringen, wie du allein trainierst. Würdest du als Coach ja auch nicht machen, oder? Belohnt wird er dafür, die Beziehung unterhaltsam zu halten, Verletzungen und Beschwerden zu vermeiden und mit möglichst vielen Kunden gut auszukommen.
Coaching löst nie die Fitnessprobleme, die du wirklich gelöst haben willst. Der Kunde bekommt endlose Korrekturarbeit, Fortschritt, der immer auf den nächsten Block verschoben wird, und gerade genug zusätzliche Komplexität, damit eigenes Urteilen unverantwortlich wirkt. Er bekommt viel Pausenzeit, „wir wollen die Session nicht zu unangenehm machen“, viele exotische und interessante Übungen, „weil die Session nicht langweilig werden soll“, und meistens Geplauder, damit eine Beziehung entsteht. Schau, das ist alles okay. Aber wenn du Ergebnisse willst, bringt dich das nirgendwo hin, Kumpel.
Am leichtesten sieht man das beim Sport, weil Ergebnisse, wenn du es richtig machst, normalerweise schnell kommen. Der Kunde will schneller laufen, stärker werden, Fett verlieren oder allein kompetenter werden. Der Coach wird oft dafür belohnt, den Prozess betreut, fein abgestuft und dauerhaft auf den nächsten Check angewiesen zu halten, auf die nächste Korrektur, das nächste Paket, den nächsten Block. Immer relativ interessante, bequeme Workouts. Schau, echte, wirksame Workouts sind langweilig. Such irgendeinen bekannten Bodybuilder auf Youtube, und wenn du sein tatsächliches Workout findest, siehst du, dass es einfach eine große Bandbreite an Grundübungen mit viel Volumen ist. Es ist langweilig, es ist simpel. Es ist nicht leicht! Es tut SAU weh und kostet eine Menge Willenskraft, ein ordentliches durchzuziehen.
Verletzungsrisiko
Schau, du benutzt deinen Körper. Irgendwann wirst du dich verletzen. Du solltest versuchen, es zu vermeiden, aber es passiert. Das ist okay. Ich bin durch Verletzungen stärker geworden, sie haben mich gezwungen, Übungen zu wechseln und beim Reha etwas Neues zu lernen. Meine Schulterverletzungen taten früher höllisch weh, aber ich habe so viel Krafttraining gemacht, um zu heilen und sie zu vermeiden, dass sich meine Schultern jetzt kugelsicher anfühlen. Genauso bei Hüfte, Beinen … Du verletzt dich, es tut weh, du erholst dich und baust deinen Körper auf. Du brauchst Vorsicht, aber zahl niemandem einen Haufen Geld dafür, dass er neben dir steht und dir Grundübungen gibt, die du selbst googeln kannst.
Das ist kein Rant gegen Personal Coaches. Eher über ihre üblichen Anreize. Das Studio bezahlt sie dafür, Trainierende zu haben und bei Laune zu halten. Nicht für Ergebnisse. Einen Coach für einen Wettkampf engagieren? Das ist etwas anderes, jetzt haben sie den Anreiz, dir zu helfen, diese Tennismeisterschaft zu gewinnen, dieses Jiu-Jitsu-Turnier … weil es ihr Business gut aussehen lässt und andere dann auch kommen. Besonders wenn sie selbst Skin in the Game haben, wenn sie einen Prozentsatz deines Gewinns bekommen. Personal Coaching ist für Athleten entscheidend, du BRAUCHST es, damit du dich auf deinen Sport konzentrieren kannst, während du deinen Coaches deine Ernährung und dein Training anvertraust. Aber für normale Tom (und Tina) mit Bürojobs? Mach ein paar Google-Suchen, lies ein paar Stunden ein E-Book, und du bist startklar. Du wirst weit bessere Ergebnisse bekommen.