Je älter ich werde, desto mehr denke ich: Die meisten Büromenschen brauchen kein fortgeschritteneres Gym-Programm. Sie müssen für eine Stunde aufhören, sich wie Büromenschen zu benehmen. Ich bin selbst Büromensch, aber ich glaube, ich mach's klüger. Auf geht's, große Gehirnzeit.
Schau, du sitzt den ganzen Tag bei der Arbeit. Dann gehst du ins Gym und setzt dich zwischen den Sets sofort an die Maschinen und scrollst am Handy, sitzt für die Chest Press, sitzt für die Shoulder Press, sitzt für Cable Rows, sitzt beim Pausieren, sitzt beim Texten, sitzt beim Checken von Fitness-Influencern, die über Bewegung reden, während sie selbst zwei Stunden lang zwischen den Sets sitzen. Zum Bankdrücken legst du dich hin…
Du hast schon acht bis zehn Stunden in einen Stuhl gefaltet unter Kunstlicht verbracht. Warum zum Teufel ist deine „Fitness"-Routine um noch mehr Sitzen herum gebaut? Du solltest im ganzen Gym gar nicht erst ans Sitzen denken, mach dir das zur Regel. Ich sitze nie. Finde Wege, im Stehen zu trainieren.
Und fang mir bloß nicht von Laufbändern an
Laufbänder sind noch so ein perfektes Beispiel für diese seltsame Entkopplung. Die Leute verlassen ein klimatisiertes Büro, fahren in ein klimatisiertes Gym und gehen dann auf einem laufenden Band, während sie auf den nächsten Bildschirm starren. Mensch, geh einfach raus und schau, wie das Leben außerhalb eines Gebäudes aussieht. Dein Körper hungert nach echter Abwechslung in der Umgebung. Unebener Boden, etwas Wind, Temperaturwechsel, Tageslicht. Distanz, die im echten Raum existiert, statt digital vor dir zu blinken. Dein Kopf wird es dir danken.
Ein Laufband ergibt in ganz bestimmten Fällen Sinn. Heftiges Wetter. Reha. Kontrollierte Konditionsarbeit. Gut, von mir aus. Hör auf deinen Arzt. Aber für den durchschnittlichen Büromenschen, der ohnehin sein Leben drinnen verbringt, ist es irres Verhalten, freiwillig das Gehen draußen durch simuliertes Gehen drinnen zu ersetzen, wenn man mal einen Schritt zurücktritt und es sich anschaut.
Und dann kommt die Mobilität.
Das ist so traurig und gleichzeitig komisch. Die Leute kommen ins Gym und bewegen sich schon wie Betonklötze, weil sie den ganzen Tag sitzen, mit verkürzten Hüften, blockierter Brustwirbelsäule, festen Waden, steifen Schultern und einer Nackenhaltung, die aussieht, als hätten sie sich um Tabellenkalkulationen herum entwickelt. Statt zuerst die Bewegungsqualität wiederherzustellen, fangen sie sofort an, schwere Teilbewegungen auf die Dysfunktion draufzupacken.
Du kannst nicht tief in die Hocke. Deine Schultern kommen kaum sauber über den Kopf. Deine Hüften drehen wie alte Türscharniere. Und dein Gedanke an Progression ist, Gewicht draufzulegen? Vielleicht das Gewicht lassen und einfach mal durch die volle Bewegung gehen, so wie es gedacht ist? Vielleicht? Vielleicht mal kurz googeln (oder chatgpt, egal) und rausfinden, dass Last unter Dehnung MEHR Hypertrophie bringt?
Und um Himmels willen, lass dein Handy im Rucksack.
Im Ernst.
Du kannst nicht den ganzen Tag mental zerrissen sein von Benachrichtigungen, Tabs, E-Mails, Nachrichten und algorithmischem Schlamm und dann genau denselben Nervensystem-Zustand ins Training mitnehmen und erwarten, dass sich Bewegung erholsam anfühlt. Eines der besten Dinge am Training soll doch sein, dass es die Aufmerksamkeit wieder mit dem Körper verbindet. Atmung. Timing. Koordination. Anstrengung. Raum. Und eine Stunde Pause im Kopf…
Aber jetzt unterbrechen die Leute ihre Sets, um Nachrichten über Meetings zu beantworten, die sie ohnehin schon gehasst haben. Beweg dich einfach eine Stunde. Komm raus aus deinem Kopf. Keine Bildschirme. Kein Dopamin-Tropf. Keine Dauerreize. Geh. Heb. Sprinte. Dehn dich. Häng dich an etwas. Rotiere. Atme wieder wie ein Säugetier statt wie ein gestresster Abteilungsleiter, der so tut, als wäre Koffein ein Charakterzug.