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Ruiniert der Alt-Right-Trichter dir das Leben – und macht er alles schlimmer, was dich hineintreibt?

spinningReagan
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Was mich anfangs in diese Welt gezogen hat, war eigentlich nicht die Politik, jedenfalls nicht im sauberen ideologischen Sinn, den die Leute sich hinterher zurechtlegen. Es war das Gefühl, wiedererkannt zu werden. Ich hörte jemanden die Stimmung beschreiben, ein Mann Mitte zwanzig zu sein, und es traf auf eine unangenehm genaue Weise: Freundschaften, die wegdrifteten, lange Strecken allein in einer Wohnung, das Gefühl, dass das Erwachsensein angekommen war, ohne dass irgendeine Struktur mitgekom

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parasozialer_freund

Ich knüpf das mal an mich, ich weiß, aber es kommt irgendwo an. Ich hab nach dem Studium ein knappes Jahr in einer kleinen Wohnung gewohnt, in der das Lauteste der Kühlschrank war, und ich hab abends genau diese Kanäle laufen lassen, beim Abwasch, beim Wä

Ich knüpf das mal an mich, ich weiß, aber es kommt irgendwo an. Ich hab nach dem Studium ein knappes Jahr in einer kleinen Wohnung gewohnt, in der das Lauteste der Kühlschrank war, und ich hab abends genau diese Kanäle laufen lassen, beim Abwasch, beim Wäschemachen, wie im Post. Irgendwann kannte ich die Macken von so einem Typen besser als die meines Nachbarn von gegenüber. Das war der Moment, wo es kippte. Der Creator wusste nicht mal, dass es mich gibt, und ich hätte schwören können, wir wären befreundet. Der Teil über Community gegen Publikum hat mich deshalb voll erwischt: ein Feed merkt nicht, wenn du drei Wochen verschwindest, der merkt nur, wenn deine Watch Time runtergeht.

Diskussionsinhalt

Wiedererkennung vor der Ideologie

Was mich anfangs in diese Welt gezogen hat, war eigentlich nicht die Politik, jedenfalls nicht im sauberen ideologischen Sinn, den die Leute sich hinterher zurechtlegen. Es war das Gefühl, wiedererkannt zu werden. Ich hörte jemanden die Stimmung beschreiben, ein Mann Mitte zwanzig zu sein, und es traf auf eine unangenehm genaue Weise: Freundschaften, die wegdrifteten, lange Strecken allein in einer Wohnung, das Gefühl, dass das Erwachsensein angekommen war, ohne dass irgendeine Struktur mitgekommen wäre.

Ich erinnere mich, wie ich diesem Zeug spätabends beim Abwasch oder beim Wäschemachen zugehört habe und dachte: endlich beschreibt das mal jemand richtig. YouTube fing an, mir Rebel Media, Lauren Southern und schließlich Jordan Peterson vorzusetzen.

Die Einsamkeit selbst war real. Nicht typisch männlich und nicht universell, aber real genug, dass sie nicht von Influencern oder politischen Medien erfunden werden musste. Viele Männer haben tatsächlich dünnere Unterstützungsnetze, besonders nach dem Studium. Ältere Formen des sozialen Lebens, die Menschen früher ziemlich automatisch aufgefangen haben, Kirchengemeinden, Nachbarschaftsvereine, stabile Arbeitsplätze, schon allein, jahrelang dieselben Leute jede Woche zu sehen, brachen schnell weg. Ihr Ersatz kam größtenteils als Feed.

Wie die Erklärung sich aufblähte

Das war die Öffnung. 2015 schienen die etablierten Medien sich kaum für die Isolation junger Männer zu interessieren, außer um sie zu verspotten oder zum Krankheitsbild zu machen. Die Alt-Right-Medien haben sie wenigstens anerkannt. Selbst Peterson, der meiner Meinung nach heute eine Menge intellektuelles Schlangenöl verkauft hat, erreichte Leute, weil er direkt in ein Vakuum sprach, das die Institutionen weitgehend ignoriert hatten.

Was sich mit der Zeit veränderte, war die Erklärung. Eine schwierige Lebensphase wurde zum Beleg für den Untergang der Zivilisation. Gewöhnliche Enttäuschung wurde zum Beweis für koordinierte Feindseligkeit. Jede Frustration bekam einen Feind: Feministinnen, „Marxisten“, Universitäten, Eingewanderte, irgendeine abstrakte Gruppe, die angeblich für alles verantwortlich war, was sich falsch anfühlte.

Du konntest mit Videos über Selbstoptimierung oder Entfremdung anfangen und nach und nach in einem Ökosystem landen, in dem Empörung der vorherrschende emotionale Grundton wurde. Und die Beziehung selbst war merkwürdig. Millionen Menschen kannten diese Creator durch Hunderte Stunden Zuhören ganz intim, während die Creator ihr Publikum vor allem als Engagement-Muster und wiederkehrende Beschwerden kannten.

Community gegen Publikum

Das ist in einem wichtigen Punkt etwas anderes als Freundschaft oder Mentoring. Ein Freund merkt, wenn du drei Wochen lang verschwindest. Ein Freund hilft dir beim Umzug. Ein Freund sagt dir, wenn du anfängst, zwanghaft oder seltsam zu werden. Content-Ökosysteme können Teile von Gemeinschaft imitieren, aber ihnen fehlen die Verpflichtungen, die echte Gemeinschaften haltbar machen.

Die gesündesten Leute, die ich kannte, verbrachten irgendwann weniger Zeit damit, Empörungs-Content zu konsumieren, egal welche Politik. Sie hatten mehr zu tun. Ihr Leben wurde dichter. Beziehungen, Routinen, lokale Gemeinschaften, Verantwortung. Sie hatten weiterhin Meinungen, aber sie brauchten die ständige emotionale Aktivierung nicht mehr.

Plattformen sind nicht darauf ausgelegt, dieses Ergebnis zu fördern. Nicht weil es irgendeine Verschwörung gäbe, junge Männer unglücklich zu halten, sondern weil Engagement-Systeme emotionale Abhängigkeit ganz von selbst belohnen. Wütende, isolierte Menschen schauen häufiger rein. Menschen mit einem dichten Offline-Leben normalerweise nicht.

Gamergate und die Anreizstruktur

Das ist ein Teil davon, warum Gamergate mir immer noch etwas bedeutet. Einige der zugrunde liegenden Beschwerden waren real. Aber die Struktur belohnte Eskalation weit mehr als Auflösung. Der Konflikt selbst wurde wertvoll.

Und mit der Zeit veränderte sich auch das Publikum. Wenn du Jahre in Systemen verbringst, die um Misstrauen und Feindseligkeit herum organisiert sind, sickert diese Rahmung irgendwann ins ganz normale Leben durch. Alles fängt an, nach Verrat, Korruption, Manipulation, Demütigung auszusehen.

Gleichzeitig will ich nicht jeden männlich geprägten Raum über einen Kamm scheren. Manche Gemeinschaften helfen Menschen wirklich. Manche Kirchengemeinden helfen. Manche Fitnessgruppen helfen. Manche Online-Räume führen tatsächlich zu echten Freundschaften und zu Verbindlichkeit im Offline-Leben.

Was echte Gemeinschaft verlangt

Das Problem ist enger gefasst: Gemeinschaften, die aus ungelöstem Groll Kapital schlagen und sich dabei als Heilmittel gegen Entfremdung verkaufen, lösen nie wirklich etwas, weil sie dich an der Angel brauchen. Du bist das Produkt, der Einfluss auf dich ist profitabel. Solche Systeme können etwas erzeugen, das sich genug nach Zugehörigkeit anfühlt, um Menschen über Jahre emotional gebunden zu halten, ohne ihnen je mehr abzuverlangen als weitere Aufmerksamkeit. Echte Gemeinschaft ist meistens schwieriger als das. Sie legt dir Verpflichtungen auf. Sie wird unbequem. Ein Feed bittet dich im Grunde nur, morgen wiederzukommen.

Thoughts

  • taegliche_apokalypse

    Eine Stelle kauf ich dem Post nicht ganz ab. Peterson und Co. als reines Vakuum-Phänomen zu erklären, macht es den Institutionen etwas zu leicht. Die haben die Isolation nicht nur ignoriert, manche haben das Reden darüber aktiv mit dem Verdacht belegt. Das ist ein Unterschied. Ein Vakuum füllt sich von selbst. Eine Tür, die zugehalten wird, ist eine Entscheidung. Ändert nichts an der Diagnose, schiebt nur die Schuld einen Schritt weiter, als der Post mag.

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  • internet_nostalgie

    Das mit dem „Ersatz kam größtenteils als Feed" stimmt, aber ich würde dem Feed nicht die ganze Erfindung andichten. Das alte Forum hat genau dieselbe Einsamkeit aufgefangen, nur ohne Algorithmus, der dich tiefer zieht. Du hast gelurkt, dann gepostet, irgendwann kannte dich der halbe Server, und wenn du drei Wochen weg warst, hat tatsächlich jemand gefragt wo du bleibst. Was kaputtging, ist nicht das Online-Sein. Es ist, dass jemand zwischen dich und die anderen einen Empfehlungsmotor gebaut hat, der lieber den nächsten wütenden Clip zeigt als den Typen, mit dem du zwei Jahre lang über dasselbe Spiel geredet hast.

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  • parasozialer_freund

    Ich knüpf das mal an mich, ich weiß, aber es kommt irgendwo an. Ich hab nach dem Studium ein knappes Jahr in einer kleinen Wohnung gewohnt, in der das Lauteste der Kühlschrank war, und ich hab abends genau diese Kanäle laufen lassen, beim Abwasch, beim Wäschemachen, wie im Post. Irgendwann kannte ich die Macken von so einem Typen besser als die meines Nachbarn von gegenüber. Das war der Moment, wo es kippte. Der Creator wusste nicht mal, dass es mich gibt, und ich hätte schwören können, wir wären befreundet. Der Teil über Community gegen Publikum hat mich deshalb voll erwischt: ein Feed merkt nicht, wenn du drei Wochen verschwindest, der merkt nur, wenn deine Watch Time runtergeht.

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  • parasozialer_freund

    Eine Sache lässt mir der Post offen, und ich frag, weil ich selbst nicht raus bin. Er beschreibt super, wie man reinrutscht und woran man die gesunden Leute erkennt, aber wie kommt man konkret raus, wenn der Feed das einzige Abendprogramm geworden ist? Bei den gesunden hieß es ja „sie hatten mehr zu tun", nur ist das doch ein Henne-Ei-Problem. Du füllst die Abende erst, wenn du was hast, und du hast erst was, wenn die Abende frei sind. Wo bricht man da ein?

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  • schleier_des_nichtwissens

    Bevor wir uns einig sind, sollten wir den Begriff prüfen, der den ganzen Post trägt: „Gemeinschaft". Der Post sagt richtig, dass ein Feed Teile davon imitieren kann, aber die Verpflichtungen fehlen, und ich würde das schärfer fassen. Eine Gemeinschaft ist ein Arrangement, das dir Pflichten auferlegt, die du nicht einseitig kündigen kannst, ohne dass es jemandem auffällt. Genau daran scheitert der Feed konstruktionsbedingt: Austritt ist immer kostenlos und unbemerkt, also kann er per Definition keine Gemeinschaft sein, egal wie zugehörig er sich anfühlt. Der stärkste Einwand dagegen wäre, dass manche Discord-Server oder Gilden sehr wohl Pflichten erzeugen, und der Post räumt das im vorletzten Absatz ja ein. Die saubere Grenze ist also nicht online gegen offline, sondern: legt das Ding dir etwas auf, oder bittet es dich nur, morgen wiederzukommen.

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  • staendig_online

    Der Gamergate-Absatz ist der wichtigste und alle werden ihn überlesen, weil das Wort allein schon Leute zumachen lässt. Der Punkt ist aber rein strukturell und stimmt: die Beschwerden waren teils real, nur die Struktur hat Eskalation tausendmal besser bezahlt als Auflösung. Das ist kein Gaming-Phänomen, das ist das Betriebssystem jeder Timeline. Ein gelöster Streit ist ein toter Thread. Ein eskalierter läuft drei Tage und füttert alle Quote-Tweets. Der Konflikt selbst wird zum Wertgegenstand, und ab dann optimiert die Plattform auf mehr davon, ganz ohne böse Absicht.

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  • im_gym_seit_99

    Der Halbsatz über die Fitnessgruppen, die manchen wirklich helfen, ist der ehrlichste im Post, und ich häng mich da dran. Ich heb seit über 25 Jahren in derselben kleinen Halle, und die hat mich durch zwei Jobwechsel, eine Scheidung und einen kaputten Rücken getragen, nicht weil dort jemand Content über Männlichkeit gemacht hätte, sondern weil dieselben Leute mich jede Woche gesehen haben. Wenn ich zwei Wochen fehle, ruft der alte Pole an der Bank gegenüber an. Das ist die Verbindlichkeit, die im Post gemeint ist. Eine App, die mir Trainingsvideos vorsetzt, hat das in 25 Jahren nie geschafft, und sie wird es nie, weil ihr Geschäft das Wiederkommen ist und nicht der Anruf.

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  • im_gym_seit_99

    Ein Detail noch, weil es mir wichtig ist: der Post setzt „männlich geprägte Räume" und „Empörungs-Ökosysteme" am Anfang fast gleich und rudert erst spät zurück. Die Halle, der Verein, die Laufgruppe sind männlich geprägt und das genaue Gegenteil des Trichters, weil sie dir etwas abverlangen statt dich nur zu aktivieren. Der Post weiß das am Ende ja, ich würde es nur nicht so weit hinten verstecken, sonst liest sich die erste Hälfte, als wäre der Raum das Problem und nicht das Geschäftsmodell.

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  • wem_nuetzt_es

    Der stärkste Satz im ganzen Post ist „du bist das Produkt, der Einfluss auf dich ist profitabel", und genau da würde ich ansetzen, weil der Rest dann fast von selbst folgt. Es braucht keine Verschwörung, die junge Männer unglücklich halten will. Es reicht ein Geschäftsmodell, in dem Watch Time die Währung ist und Empörung am verlässlichsten Watch Time produziert. Wer daran verdient, ist nicht der einsame Creator von 2015, sondern die Plattform, die ihm die Reichweite leiht, solange seine Inhalte die Sitzungsdauer hochhalten. Die Einsamkeit ist real, die Politik ist Beiwerk; das Arrangement dahinter ist die eigentliche Sache.

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  • taegliche_apokalypse

    Die Nachrichten waren gratis, die Angst war im Preis inbegriffen. Klingt nach jedem Algorithmus, den ich kenne.

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