Citizen ist die kompetenteste Uhrenmarke der Welt, und absolut niemand will das zugeben, weil Kompetenz langweilig ist. Rolex verkauft Sehnsucht und Fantasie. Omega verkauft Geschichte, auch wenn es immer wieder dasselbe eine Ereignis ist. Tudor verkauft „Ich bin nicht wie die anderen Rolex-Träger". Citizen verkauft eine Uhr, die fünfzehn Jahre am Stück im Handschuhfach eines Honda Accord überlebt und dich dann, sobald du landest, fragt, ob du auch die korrekte Zeit in Tokio hättest.
Citizen baut Uhren für Leute, die Uhren im Grunde als Gebrauchsgerät sehen, so wie sie gedacht waren. Genau deshalb unterschätzen Uhren-Nerds sie permanent, bis eine vierzig Jahre alte Eco-Drive von einer Baustelle auftaucht und besser aussieht als ihre Omega. Die ganze Marke hat die Energie eines japanischen Büro-Druckers, der Zivilisationen überlebt. Du musst dich schon richtig blöd anstellen, um eine kaputtzukriegen.
Es hat etwas Bewunderswertes, wie wenig Citizen sich um das Luxusuhren-Theater schert. Keine künstliche Knappheit, kein Prestige, keine Geschichte. Kein „Heritage Storytelling"! Kein Boutique-Mitarbeiter, der dir Mineralwasser anbietet, bevor er dir das Privileg verweigert, zehntausend Euro auszugeben. Citizen sagt einfach: „Hier ist eine funktionierende Uhr, betrieben von Sonnenlicht. Zahl und geh."
Während die Schweizer Marken immer noch so tun, als wäre das Aufziehen eines im Zweiten Weltkrieg erfundenen Werks von Hand irgendwie spirituell. Citizen-Träger sind auch deshalb faszinierend, weil sie oft die klügsten Leute im Raum sind und am wenigsten Lust haben, über Uhren zu reden. Ingenieure lieben Citizen. Piloten lieben Citizen. Typen, die aus irgendeinem Grund sechs Taschenlampen besitzen, lieben Citizen. Es ist die offizielle Uhrenmarke der Männer, die Bedienungsanleitungen lesen.
Der Eco-Drive-Kult.
Citizen hat es geschafft, eine Technik zu erfinden, die die nervigen Teile von Quarzuhren effektiv gelöst hat – Batteriewechsel, Wartung, Zuverlässigkeit – und die Uhren-Community reagierte mit: „Hm ja, aber hat sie ein mechanisches Werk?"
Denn tief drinnen wollen Uhren-Enthusiasten gar keine Praktikabilität, sie wollen Mythologie. Das ist Schmuck und Angeberei. Sie wollen Zahnräder. Sie wollen Schweizer Großväter, die angeblich in Bergdörfern Schräubchen polieren.
Citizen hat sich die Uhrmacherei angeschaut und aus Versehen das uhrmacherische Äquivalent eines Toyota Corolla erschaffen, der ewig mit Sonnenlicht läuft. Was ein unglaubliches Branding für normale Menschen ist und ein katastrophales Branding für besessene Sammler. Das ist das Problem mit Citizen. Die Marke bringt Logik in ein Hobby, das fast vollständig von emotionaler Verblendung angetrieben wird.
Denn sobald du zugibst, dass eine solarbetriebene Citizen wahrscheinlich die bessere Alltagsuhr ist als die meisten luxuriösen Schweizer Stücke, fängt die ganze Branche an zu wackeln wie ein Jenga-Turm aus Marketingkampagnen und italienischen Lederrollen für die Reise.