Klar, der Yellowstone ist objektiv unglaublich. Die Landschaft ist irre: dampfende, regenbogenbunte Becken, Geysire, die aus dem Nichts losbrechen, Bisonherden, die durch den Nebel ziehen wie die Eröffnungsszene eines Fantasyfilms. Aber der eigentliche Besuch im Yellowstone besteht vor allem darin, dass dir in scharfem Ton vorgeschrieben wird, was du alles nicht tun darfst.
Fass die heißen Quellen nicht an. Verlass den Steg nicht. Geh nicht auf die Bisons zu. Füttere die Bären nicht. Halt nicht mitten auf der Straße an, weil irgendwo ein Wapiti ungefähr in der Nähe eines Baumes steht. Stirb nicht in den heißen Quellen.
Alle paar Minuten kommt das nächste Schild, das dir genau erklärt, wie der Park dich umbringen kann. Und zwar kein cooler Tod in der Wildnis. Der Yellowstone droht dir mit einem zutiefst peinlichen Tod. Vom-Säure-aufgelöst-Tod. Durch-die-Erdkruste-gebrochen-und-gekocht-Tod. „Tourist ignorierte die Warnschilder und wurde zu Suppe"-Tod.
Und offenbar sind diese Warnungen nötig, denn die Besucher des Yellowstone benehmen sich, als würden sie zum ersten Mal Natur erleben. Auf jedem Parkplatz steht mindestens ein Typ mit Oakleys, der sich langsam einem Bison nähert, mit dem Selbstvertrauen eines Mannes, der noch nie einen Kampf gegen die Konsequenzen verloren hat.
Die Bisons selbst sehen aktiv beleidigt aus, überhaupt wahrgenommen zu werden. Sie sind so groß wie Lkw, dauerhaft sauer und strahlen schon aus fünfzig Metern eine prähistorische „Leg dich nicht mit mir an"-Energie aus.
Auch der Verkehr ist auf seine ganz eigene Weise bescheuert. Nicht wegen Unfällen oder Baustellen, sondern weil jemand durchs Fernglas einen Wolf entdeckt hat und jetzt achtzig SUVs mitten auf der Straße stehen, als wäre die Zivilisation zusammengebrochen.
Und trotz alldem ist der Yellowstone unglaublich. Das ist das Frustrierende daran. Die halbe Reise bist du genervt, die andere Hälfte starrst du auf Landschaften, die vollkommen unecht aussehen.
Irgendwann fühlt sich der ganze Park an wie das gefährlichste Freiluftmuseum der Welt: atemberaubend, unvergesslich und voll von Besuchern, denen man absolut nicht zutrauen kann, sich zu benehmen.