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Werden wir alle übers 401(k) dazu erpresst, die Milliardärsklasse zu stützen?

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Eine der folgenreichsten Entscheidungen, die Amerika je getroffen hat, war, Pensionen durch 401(k)-Pläne zu ersetzen und dann Millionen ganz normaler Menschen über Indexfonds und Altersvorsorgekonten in den Aktienmarkt zu schleusen. Nicht weil das die meisten Amerikaner in irgendeinem Sinn zu Kapitaleignern gemacht hätte. Aktienbesitz konzentriert sich nach wie vor ganz überwiegend bei den obersten 0,1 %. Aber es hat genug Leuten ein bisschen Beteiligung verschafft, sodass die Öffentlichkeit anf

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Eine Detailkorrektur noch zu den 0,1 Prozent. Die Zahl stimmt fürs oberste Ende der Konzentration, aber sie verdeckt etwas. Die obersten 10 Prozent halten in den meisten Erhebungen rund 85 bis 90 Prozent des Aktienvermögens, und genau diese gut verdienend

Eine Detailkorrektur noch zu den 0,1 Prozent. Die Zahl stimmt fürs oberste Ende der Konzentration, aber sie verdeckt etwas. Die obersten 10 Prozent halten in den meisten Erhebungen rund 85 bis 90 Prozent des Aktienvermögens, und genau diese gut verdienende Schicht ist die, die den Post hier teilt und sich zugleich am lautesten als normale Öffentlichkeit fühlt. Die schärfere Linie verläuft nicht bei 0,1, sondern irgendwo im oberen Zehntel. Ändert nichts am Kern, macht aber den Reflex sichtbar, sich ärmer zu rechnen, als man im Markt steht.

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Eine der folgenreichsten Entscheidungen, die Amerika je getroffen hat, war, Pensionen durch 401(k)-Pläne zu ersetzen und dann Millionen ganz normaler Menschen über Indexfonds und Altersvorsorgekonten in den Aktienmarkt zu schleusen.

Nicht weil das die meisten Amerikaner in irgendeinem Sinn zu Kapitaleignern gemacht hätte. Aktienbesitz konzentriert sich nach wie vor ganz überwiegend bei den obersten 0,1 %. Aber es hat genug Leuten ein bisschen Beteiligung verschafft, sodass die Öffentlichkeit anfing, sich emotional mit den Interessen der besitzenden Klasse zu identifizieren. Damit hat sich das Interesse der Mittelschicht gegen sie selbst gerichtet.

Heute gilt ein steigender Aktienmarkt als Beweis für nationale Gesundheit, selbst wenn große Teile des Landes immer unbezahlbarer, instabiler und schwerer werden, sich darin eine Zukunft aufzubauen. Die Wohnkosten explodieren, jüngere Arbeitnehmer schieben die Familie auf, die Schulden steigen, die Löhne hinken der Asset-Inflation hinterher, aber solange die Altersvorsorgekonten klettern, fühlt sich das System für einen riesigen Teil der Öffentlichkeit weiter funktionsfähig an. Immer weniger Jobsicherheit ist großartig für den Aktienmarkt, gut dafür, dass Firmen nach Belieben Leute entlassen können, aber sehr schlecht für die Öffentlichkeit. Doch wenn deine ganzen Ersparnisse im Aktienmarkt stecken, ist es dir auf einmal nicht mehr so wichtig.

Das ist die eigentliche K-förmige Wirtschaft. Leute mit wertsteigernden Vermögenswerten bewegen sich nach oben, während Leute, die vor allem vom Lohn abhängen, zurückfallen. Und weil so viele Amerikaner inzwischen wenigstens etwas Aktien in ihrer Altersvorsorge haben, verteidigen sie am Ende politisch genau die Marktdynamiken, von denen ganz überwiegend Milliardäre, große Investoren und große Vermögensbesitzer profitieren.

Billiges Geld treibt die Aktien hoch? Gut für dein 401(k). Entlassungen verbessern die Margen? Gut für den Markt. Wohnungsknappheit lässt die Immobilienpreise steigen? Die bestehenden Eigentümer profitieren. Tech-Monopole konsolidieren sich weiter? Der Index klettert. Die Öffentlichkeit ist finanziell und psychologisch an die Asset-Inflation selbst gebunden.

Und wenn das passiert, hört der Aktienmarkt auf, ein Indikator unter vielen zu sein, und wird zum emotionalen Zentrum des amerikanischen Wirtschaftslebens. Politiker reagieren schneller auf Markteinbrüche als auf langfristigen sozialen Verfall, weil Altersvorsorge, politisches Vertrauen und der Reichtum der Eliten jetzt im selben System miteinander verschmolzen sind.

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Solange der S&P 500 weiter klettert, was?

Das Ergebnis ist ein Land, in dem der Markt boomen kann, während das normale Leben darunter teurer und fragiler wird. Den Amerikanern hat man erzählt, eine breite Marktbeteiligung würde Wohlstand demokratisieren. Bewirkt hat sie vor allem, dass sich Millionen Menschen verantwortlich fühlen, ein System zu verteidigen, in dem die größten Gewinne sich nach wie vor ganz oben konzentrieren.

Thoughts

  • auf_fallende_kurse

    Eine Detailkorrektur noch zu den 0,1 Prozent. Die Zahl stimmt fürs oberste Ende der Konzentration, aber sie verdeckt etwas. Die obersten 10 Prozent halten in den meisten Erhebungen rund 85 bis 90 Prozent des Aktienvermögens, und genau diese gut verdienende Schicht ist die, die den Post hier teilt und sich zugleich am lautesten als normale Öffentlichkeit fühlt. Die schärfere Linie verläuft nicht bei 0,1, sondern irgendwo im oberen Zehntel. Ändert nichts am Kern, macht aber den Reflex sichtbar, sich ärmer zu rechnen, als man im Markt steht.

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  • frueh_in_rente

    Ich sehe das aus der Sparer-Perspektive komplett anders. Für mich entscheidet über die Freiheit der Abstand zwischen Einnahmen und Ausgaben, nicht der politische Überbau des Marktes. Mit einer Sparquote von 45 Prozent und einem automatischen Sparplan baue ich mir genau die Unabhängigkeit auf, die mich irgendwann erpressbar macht, statt mich. Den Markt zu meiden, weil er angeblich die Milliardärsklasse stützt, ändert an deren Vermögen exakt nichts und kostet mich zehn Jahre Zinseszins. Das ist keine Befreiung, das ist ein teures Gefühl.

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  • auf_fallende_kurse

    Was war denn die Alternative? Die Pensionen, die du da romantisierst, waren reihenweise unterfinanziert und an die Bonität eines einzigen Arbeitgebers gekettet. Frag mal die Leute, deren Werk pleiteging, was ihre garantierte Rente am Ende wert war. Dass der Aktienmarkt zum Stimmungsbarometer der Nation geworden ist, kann gut sein. Aber daraus folgt nicht, dass ein breit gestreuter Index das schlechtere Vehikel für jemanden ist, der sonst gar nichts hat. Das eine ist eine politische Beobachtung, das andere eine Anlageentscheidung. Du wirfst beides in einen Topf.

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  • taegliche_apokalypse

    Die Nachrichten sind gratis, die Asset-Inflation ist im Preis inbegriffen. Stehe in der überfüllten Ringbahn, scrolle den grünen Index und freue mich, dass mein 401(k) klettert, das ich als Berliner gar nicht habe.

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  • index_zen

    Die beste Version des Arguments steht für mich im Satz, dass weniger Jobsicherheit super für den Markt und mies für die Öffentlichkeit ist. Wenn eine Massenentlassung den Kurs hebt und ein Teil von dir sich darüber im Depot freut, ist da ein Interessenkonflikt eingebaut, in dem du auf beiden Seiten sitzt. Das ist der Kern, und der stimmt. Nur folgt für den Einzelnen daraus nicht, sein Geld unterm Kopfkissen zu lassen. Es folgt eher, die zwei Hüte auseinanderzuhalten und beim Wählen nicht den Depotstand zu wählen.

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  • oekonomie_nach_gefuehl

    Mein Finanztipp lautet weiterhin: nicht. Aber für alle, die trotzdem fragen, der Post hat den Gruppenchat perfekt beschrieben. Halb Deutschland refresht den S&P, als wäre es die eigene Mannschaft, und merkt nicht, dass die Mannschaft sie auf der Auswärtstribüne sitzen lässt.

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  • rette_die_kaufkraft

    Der stärkste Teil ist für mich die Stelle mit den Löhnen, die der Asset-Inflation hinterherhinken. Genau das habe ich über Jahrzehnte beobachtet. Wenn die Preise für Wohnraum und Vermögenswerte schneller steigen als der reale Lohn, dann ist ein Indexstand, der nominal Rekorde feiert, für den Mieter ohne Eigenkapital kein Wohlstand, sondern Distanz. Ich würde nur trennen. Dass die Asset-Inflation die Schere öffnet, ist wahr. Dass das 401(k) die Ursache und nicht bloß ein Beifahrer dieser Entwicklung ist, halte ich für zu stark. Die Geldpolitik der letzten fünfzehn Jahre hat die Vermögenspreise weit kräftiger getrieben als irgendein Sparplan.

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  • beton_oder_aktien

    Aus der Immobilienecke fehlt mir im Post eine Trennung, die viel erklärt. Die Wohnkosten explodieren ja nicht für alle gleich, sondern entlang einer klaren Linie:

    • Wer schon eine abbezahlte Wohnung hat, für den ist der Preisanstieg ein Buchgewinn.

    • Wer in der Zinsbindung mit Eigenkapital drinsteckt, sitzt ungefähr neutral.

    • Wer Miete zahlt und nichts besitzt, zahlt den Anstieg jeden Monat in bar.

    Der Post wirft die zweite und dritte Gruppe oft zusammen unter Öffentlichkeit. Genau dazwischen verläuft aber die K, die er beschreibt. Beton gewinnt oder verliert an den Kosten, die niemand in die Tabelle schreibt, und Beteiligung gewinnt oder verliert daran, ob du auf der Eigentümer- oder der Mieterseite des Bruchs stehst.

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  • wem_nuetzt_es

    Der Mechanismus, den du beschreibst, hat einen Namen in der politischen Ökonomie: man bindet breite Schichten ans Kapital, damit ihr materielles Interesse mit dem der Eigentümer zu verschmelzen scheint. Wichtig ist nur, dass es eine Spreizung gibt. Die untere Hälfte hält über das 401(k) reale Beträge, aber so kleine, dass sie auf einen Markteinbruch viel verletzlicher reagiert als auf den nächsten Kündigungsschutz, der gestrichen wird. Wer 18.000 € im Depot hat und die Miete nicht mehr zahlen kann, ist nicht zum Kapitaleigner geworden, der hat nur gelernt, den Index zu verteidigen, der ihn auspreist. Genau dieses Auseinanderfallen von gefühltem und tatsächlichem Interesse ist der eigentliche Trick.

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  • frueh_in_rente

    Eine ernst gemeinte Frage an alle, die hier zustimmen: Was genau ist die Handlungsempfehlung? Wenn die Diagnose stimmt, dann folgt daraus politisch vielleicht eine andere Wohnungs- und Steuerpolitik. Für mein eigenes Geld folgt daraus aber weiterhin Sparquote hoch, breit streuen, Bildschirm zulassen. Oder übersehe ich, wie individueller Ausstieg an irgendeiner der genannten Dynamiken etwas ändern würde?

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