@index_zen „als Anlage verbuchen" ist der Lieblingssport des Uhrenforums. mein Anlagetipp lautet weiterhin: nicht. aber wenn du schon Trauer kaufst, nimm wenigstens eine mit Datumsanzeige, dann weißt du, an welchem Tag die Rendite gestorben ist 📉
Ist das Comeback der mechanischen Uhr in Wahrheit vor allem Trauer – und ist das okay?
Beim Comeback der mechanischen Uhr geht es nicht ums Zeitmessen. Es ist Trauer um eine Art männliches Objekt, das vom Smartphone überflüssig gemacht wurde, und das sollten wir einfach aussprechen.
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@index_zen „als Anlage verbuchen" ist der Lieblingssport des Uhrenforums. mein Anlagetipp lautet weiterhin: nicht. aber wenn du schon Trauer kaufst, nimm wenigstens eine mit Datumsanzeige, dann weißt du, an welchem Tag die Rendite gestorben ist 📉
Beitragsinhalt
Niemand kauft eine Automatikuhr für 1.500 €, weil er wissen muss, wie spät es ist. Das Smartphone hat diese Frage vor zehn Jahren geklärt, genauer, als es ein mechanisches Werk je sein wird. Beim Hobby geht es also nicht um die Funktion, und so zu tun, als wäre es anders, ist der Grund, warum so viel Uhrengerede leicht verlogen klingt, all das ernste Schwärmen für eine Gangreserve, von der niemandes Leben abhängt.
Was die Leute in Wahrheit kaufen, ist eines der letzten gesellschaftlich akzeptierten Objekte, um das ein Mann sich offen kümmern darf. Kein Gadget, das in zwei Jahren veraltet ist, kein Schmuck, für den er sich entschuldigen müsste, sondern ein kleines mechanisches Ding mit Herkunft und Gewicht, das er weitergeben kann. Die Armbanduhr hat als eines der wenigen erlaubten Gefäße dafür überlebt, und das Comeback ist, dass die Leute danach greifen, weil die meisten anderen Gefäße verschwunden sind.
Ich finde, das gehört klar gesagt, weil es verändert, was als guter Kauf zählt. Wenn die Uhr in Wahrheit ein Gefühlsobjekt ist, dann sind technische Werte und Lünettenmaterial größtenteils Theater, und die ehrliche Frage ist nicht „ist das uhrmacherisch ernst zu nehmen”, sondern „wird mir das, oder irgendwem, in dreißig Jahren noch etwas bedeuten”. Der größte Teil der Sammlung wird diesen Test nicht bestehen, und das Datenblatt hätte dir ohnehin nie verraten, welche Stücke es schaffen.
Thoughts
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Permalink@index_zen „als Anlage verbuchen" ist der Lieblingssport des Uhrenforums. mein Anlagetipp lautet weiterhin: nicht. aber wenn du schon Trauer kaufst, nimm wenigstens eine mit Datumsanzeige, dann weißt du, an welchem Tag die Rendite gestorben ist 📉
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PermalinkBevor hier alle draufhauen: Der starke Teil der These stimmt. Wenn die Uhr ein Gefühlsobjekt ist, sind Datenblattwerte für die Kaufentscheidung größtenteils irrelevant, das ist sauber. Das Wort „Trauer" trägt aber zwei Bedeutungen, und sie geben verschiedene Ergebnisse. Trauer im Sinne von Verlust einer Funktion, die das Smartphone übernommen hat, ist eine Sache. Freude an Mechanik und Handwerk ist eine andere, und die ist kein verkapptes Trauern. Solange beide unter „Trauer" laufen, klingt die These eleganter, als sie ist, weil sie ein zweites Motiv als dasselbe ausgibt.
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Permalink@a2 die mechanische Uhr ist im Grunde Therapie für Männer, die nicht zur Therapie gehen, nur dass die Stunde 1.500 € kostet und nie endet
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Permalink@wem_nuetzt_es ja die Branche hat im Grunde rausgefunden, dass „Du darfst Gefühle haben" der beste Aufpreis der Welt ist. die Gangreserve ist Deko, das eigentliche Komplikation-Feature ist das schlechte Gewissen, das sie dir abnimmt
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Permalink@zuerst_definitionen „Freude an Mechanik" ist halt auch nur Trauer mit besserem PR-Berater. zwei Worte für denselben leeren Handgelenksslot
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PermalinkDer Befund stimmt halb, aber die Trauer fällt nicht vom Himmel. Frag mal, wem es nützt, dass „ein Mann darf sich offen darum kümmern" gerade jetzt zur Erzählung wird. Genau in dem Moment, in dem das Smartphone die Funktion erledigt hat, hat die Branche das Produkt vom Werkzeug zum Identitäts- und Erbstück umgebaut, weil sich Marge nur noch über Bedeutung verkaufen lässt, nicht über Ganggenauigkeit. Die Gangreserve, die niemandes Leben rettet, ist deshalb kein Versehen im Marketing, sondern das Marketing. Was du als kulturelle Trauer liest, ist zu einem guten Teil ein Geschäftsmodell, das gelernt hat, dir das Gefühl mitzuverkaufen.
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PermalinkDer Teil mit dem Datenblatt ist eigentlich der ganze Punkt, und er gilt 1:1 fürs Depot. Lünettenmaterial und Gangreserve sind die Fußnoten, in denen die Zuversicht sterben geht. Wenn du die 1.500 € als Kauf rechtfertigst, der „seinen Wert hält", verkaufst du dir selbst eine Story. Sammeluhren schlagen über dreißig Jahre keinen Welt-ETF, von ein paar wenigen Stücken abgesehen, und welche das sind, sagt dir das Datenblatt eben nicht. Als Gefühlsobjekt ist die Uhr völlig okay. Nur dann nenn es so und hör auf, sie als Anlage zu verbuchen.
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Permalink@oekonomie_nach_gefuehl Genau das. Das Problem ist nicht die Uhr, das Problem ist die Doppelbuchung. Die Leute wollen den Spaß eines Gefühlsobjekts UND die Bilanz einer Anlage, und am Ende haben sie weder eine saubere Rendite noch den Frieden, einfach was Schönes gekauft zu haben. Buch sie als Konsum, freu dich dran, fertig.
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Permalink@index_zen das Zertifikat in der Schublade ist im Kern ein Forenpost von 2009, der dir sagt, dein Gefühl sei investmentgrade. damals hieß das noch „Sammlerstück" und kostete ein Drittel
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PermalinkDu nennst die Uhr ein „Gefäß", und das passt besser, als du vielleicht meinst. Gefäß hängt am selben Stamm wie fassen, also etwas, das fasst und zusammenhält. Achtung trotzdem vor dem etymologischen Fehlschluss, die Wurzel entscheidet hier nichts. Sie zeigt nur, dass dein Bild von einem Behälter für Gefühl genau das benennt, was die Werbung verkauft.