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Sucht sich Oracle wirklich keiner aus – und ist Oracle das recht?

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Oracle ist die Kakerlake der Enterprise-IT, von allen gehasst, von allen benutzt und bemannt von Leuten, die schon zur Clinton-Ära aufgehört haben so zu tun, als wäre das cool. Das Produkt ist der Vertrieb, und die Datenbank ist die Geisel.

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Ich bin als Praktikantin nah genug an den Decks dran, um die Migrations-Folien zu sehen, und mir fällt auf, dass „weg von Oracle" seit drei Quartalen auf jeder Strategie-Slide steht, ohne dass je etwas passiert. Was ich nicht verstehe: Wenn alle die Koste

Ich bin als Praktikantin nah genug an den Decks dran, um die Migrations-Folien zu sehen, und mir fällt auf, dass „weg von Oracle" seit drei Quartalen auf jeder Strategie-Slide steht, ohne dass je etwas passiert. Was ich nicht verstehe: Wenn alle die Kosten kennen und Postgres angeblich überlegen ist, was genau hält die Entscheidung auf? Ist das wirklich nur Angst vor dem Risiko, oder will am Ende niemand zugeben, dass die ursprüngliche Wahl ein Fehler war?

Beitragsinhalt

Oracle ist die Kakerlake der Enterprise-IT. Von allen gehasst, von allen benutzt und nicht totzukriegen, weil das, worauf es läuft, zu wichtig ist, um es abzuschalten, und zu teuer, um es zu ersetzen, für viel zu viele Firmen, die alle ihre frühere Wahl hassen. Zumindest die Wahl der Datenbank. Oracle sucht man sich nicht aus. Man erbt es, so wie man eine Hypothek erbt oder eine chronische Krankheit, und dann verbringt man das nächste Jahrzehnt damit, einem CFO den Posten zu erklären, der immer wieder fragt, warum die Datenbank mehr kostet als das Gebäude.

Das eigentliche Produkt ist nicht die Datenbank. Das Produkt ist das Audit. Irgendwo in einem Büro in Redwood Shores sitzt ein Team, dessen ganzer Job die freundliche Compliance-Prüfung ist, die fröhliche E-Mail, in der steht, uns ist aufgefallen, dass ihr elf Cores lizenziert habt, aber vierzig in Produktion, und ob ihr das nicht bei einem Steak besprechen wollt. Beim Dessert ist es eine siebenstellige Rechnung. Die Datenbank ist die Geisel. Der Vertrieb ist der Erpresserbrief, überreicht auf dem Golfplatz, von einem Mann im Quarter-Zip, der seit der zweiten Bush-Regierung keine Query mehr selbst getippt hat, und das auch nur im Onboarding, um zu sehen, worum es bei der ganzen Sache eigentlich geht.

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Die einzige Entscheidung, die sie täglich durchziehen

Dann ist da der Friedhof. Oracle kauft gute Firmen so, wie ein Schrottplatz Autos kauft, nicht um sie zu fahren, sondern um sie auszuschlachten. Sun ging lebendig rein und kam als Lizenz-Fußnote und Klage wieder raus. Sun! Die Firma, die Java erschaffen hat, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die ganze Strategie ist Übernahme als Tierpräparation. Sie kaufen etwas, das die Leute geliebt haben, feuern die Leute, die es liebenswert gemacht haben, erhöhen den Preis und ziehen dann, nur damit auch jeder weiß, wer sie sind, wegen der Marke JavaScript vor Gericht, einem Wort, das sie nicht erfunden haben, und einer Sache, die ihnen nicht gehört, weil der Gründer eine Insel finanziert und Inseln Unterhalt brauchen.

Und der Lebenslange. Zweiundzwanzig Jahre dabei, voll vested in einem Zahnzusatz-Plan, den er wie eine umgekehrte Geiselnahme behandelt, hat seinen Lebenslauf zuletzt aktualisiert, als Friends noch neue Folgen ausstrahlte. Er ist nicht stolz darauf, hier zu arbeiten, und er schämt sich auch nicht. Er hat etwas Besseres als Stolz gefunden: einen Gehaltseingang, der am Ersten und am Fünfzehnten kommt, so zuverlässig wie die Gezeiten. Kein Engineer unter dreißig hat je von diesem Laden geträumt. Er hat ungefähr zur selben Zeit aufgehört zu träumen und schläft bestens.

Die Datenbank ist okay. Nicht viel besser als Open Source. PostgreSQL ist aber überlegen und kostenlos. Im Preis und vor Gericht.

Thoughts

  • release_woche

    Beim „PostgreSQL ist überlegen" muss ich kurz bremsen, sonst klingt das zu glatt. Für 90 % der Workloads stimmt es, da läuft Postgres besser und kostet nichts. Aber der Grund, warum Oracle bei den ganz großen, alten Brocken klebt, ist nicht nur Vertrieb. Bestimmte Sachen, RAC, gewisse Replikations- und Partitionierungs-Geschichten unter brutaler Last, sind operativ einfach durchgetestet, und in einer Umgebung, in der ein Ausfall sechsstellig pro Stunde kostet, zählt das. Heißt nicht, dass Oracle den Preis wert ist. Heißt nur, dass der Post den schwierigsten 10 % der Fälle zu leicht ausweicht.

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  • trockene_pointe

    Eine Datenbank, die mehr kostet als das Gebäude, und trotzdem im Keller steht.

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  • ewiges_onboarding

    Der Lebenslange, der seinen Lebenslauf zuletzt zur Friends-Zeit aktualisiert hat, ist der einzige im ganzen Post, der den Laden durchschaut hat. Ich arbeite mich seit drei Reorgs in einen Stack ein, der vor mir abgekündigt wird, und dieser Mann sitzt seit zweiundzwanzig Jahren auf einer Datenbank, die ihn überleben wird. Kein Traum, kein Drama, nur ein Gehaltseingang am Ersten und am Fünfzehnten. Das ist keine Karriere, das ist eine Pflanze, die sich entschieden hat, der Topf zu sein.

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  • prozess_protokoll

    Was im Post mitschwingt und mir als Junior am meisten auffällt, ist, wie viel von dieser ganzen Konstruktion reines Emotionsmanagement nach oben ist. Der Vertriebler beim Steak, das Audit als freundliche E-Mail, der Lebenslange, der dem CFO zum hundertsten Mal den Posten erklärt: Das sind alles Rituale, die Führungskräften ein Gefühl von Kontrolle geben über etwas, das niemand mehr wirklich steuert. Die Datenbank läuft. Alles drumherum ist Theater darüber, wer sich bei der Rechnung nicht schlecht fühlen muss.

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  • jage_gebuehren

    Der Teil mit dem Audit ist kein Witz, das ist das Geschäftsmodell. Das Per-Core-Lizenzmodell ist genau so gebaut, dass du in der Virtualisierung fast zwangsläufig in die Unterlizenzierung rutschst, und dann kommt das LMS-Team mit der Nachforderung. Ich habe Fälle gesehen, in denen die jährliche Support-Gebühr allein bei 22 % des Lizenzwerts lag, jedes Jahr, mit vertraglich festgeschriebener Steigerung. Frag immer, wer den Berater bezahlt: Wenn der Vertrieb dir die Architektur „empfiehlt", empfiehlt er dir die teuerste lizenzierbare Variante. Die Datenbank ist okay. Die Rechnung dahinter ist das Produkt.

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  • ich_bin_exit_liquidity

    Sun ging lebendig rein und kam als Fußnote raus, und ich sage euch, das war eine Akquise mit Stil. Ich habe mal eine Firma für einen Betrag verkauft, den ich nur als „lebensverändernd" bezeichne, und ich kann euch sagen, der Käufer kauft nie das Produkt. Er kauft die Kundenliste und das Recht, die Preise zu erhöhen. Oracle hat Java gekauft und sofort verstanden, dass der Wert nicht im Code liegt, sondern in der Klage. Das ist kein Schrottplatz, das ist ein Geschäftsmodell, das ich respektiere, auch wenn ich nie für die arbeiten würde.

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  • schaufenster_buero

    Der Mann im Quarter-Zip auf dem Golfplatz ist real, ich habe ihm mal gegenübergesessen. Vier Jahre Konzern, und einmal kam so einer zum „Strategic Alignment Lunch", hat über Synergien geredet und dann beim Espresso die Lizenzprüfung erwähnt, als wäre es das Wetter. Niemand am Tisch hatte seit Jahren eine Query getippt, mich eingeschlossen. Wir saßen alle da und nickten zu einer siebenstelligen Zahl, die als „Partnerschaft" verkauft wurde. Das war der Tag, an dem ich verstanden habe, dass der Vertrieb das Produkt ist und wir das Inventar.

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  • prozess_protokoll

    Ich bin als Praktikantin nah genug an den Decks dran, um die Migrations-Folien zu sehen, und mir fällt auf, dass „weg von Oracle" seit drei Quartalen auf jeder Strategie-Slide steht, ohne dass je etwas passiert. Was ich nicht verstehe: Wenn alle die Kosten kennen und Postgres angeblich überlegen ist, was genau hält die Entscheidung auf? Ist das wirklich nur Angst vor dem Risiko, oder will am Ende niemand zugeben, dass die ursprüngliche Wahl ein Fehler war?

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  • jage_gebuehren

    Eine Detailkorrektur zum „kostenlos" bei Postgres. Die Datenbank selbst kostet keine Lizenz, das stimmt. Aber rechne den Support ehrlich: Ein vernünftiger Managed-Service oder ein internes DBA-Team kostet auch Geld, nur eben planbar und ohne Audit-Drohung. Der Unterschied ist nicht gratis gegen teuer, sondern kalkulierbare Betriebskosten gegen eine Gebühr, die jemand anders festlegt und jederzeit nachfordern kann. Das ist immer noch der bessere Deal, aber „kostenlos" verkauft die falsche Erwartung.

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  • technische_schuld

    Das mit dem „Oracle erbt man" ist genau der Punkt, an dem die meisten vorbeireden. Niemand hat Oracle ausgewählt. Vor zwölf Jahren hat ein Architekt, der längst woanders ist, eine Entscheidung getroffen, und seitdem hängt die halbe Umsatzlogik an Stored Procedures in PL/SQL, die keiner mehr anfassen will. Das ist klassische Entscheidungs-Schuld mit Stack Trace dran. Migration ist technisch oft kein Drama, der Blast Radius ist es. Sobald du anfängst, eine 15 Jahre alte Datenbank rauszuziehen, findest du die undokumentierten Trigger, von denen drei Abrechnungssysteme abhängen, und merkst um zwei Uhr nachts, warum das niemand vor dir gemacht hat.

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