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Der Apple-Mitarbeiter hat wegen eines Handys ein Schweigegelübde abgelegt

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Apple baut das beste Handy der Welt. Das soll zu Protokoll, bevor ich anfange, denn alles andere, was ich gleich sage, wird von Leuten bestritten, die rechtlich nicht einmal bestätigen dürfen, welche Farbe ihr Gebäude hat. Die Hardware ist tatsächlich die beste der Branche, die Verarbeitung ist richtig gut, und die Art, wie Watch, Laptop, Handy und Earbuds miteinander reden, hat keine andere Firma je zweimal hinbekommen. Nichts davon ist umstritten, ich bin selbst Apple-Fanboy, nachdem ich als s

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Apple baut das beste Handy der Welt. Das soll zu Protokoll, bevor ich anfange, denn alles andere, was ich gleich sage, wird von Leuten bestritten, die rechtlich nicht einmal bestätigen dürfen, welche Farbe ihr Gebäude hat. Die Hardware ist tatsächlich die beste der Branche, die Verarbeitung ist richtig gut, und die Art, wie Watch, Laptop, Handy und Earbuds miteinander reden, hat keine andere Firma je zweimal hinbekommen. Nichts davon ist umstritten, ich bin selbst Apple-Fanboy, nachdem ich als schräger Linux-Teenager aufgewachsen bin. Strittig ist der Mensch im Inneren, der entschieden hat, dass der Versand eines Stücks Unterhaltungselektronik die operative Sicherheit eines Mannes im Zeugenschutzprogramm verlangt.

Frag einen Apple-Engineer, woran er arbeitet. Er kann es dir nicht sagen. Frag ihn, in welchem Team er ist. Er kann es dir nicht sagen. Frag ihn, ob er einen schönen Tag hat, und beobachte das kurze Flackern NDA-naher Panik in seinem Gesicht, denn vielleicht gibt es ein Feature mit Tag-Nacht-Bezug, über das er nicht reden darf. Er weiß tatsächlich nicht, was das Team ein Gebäude weiter baut, mit Absicht, denn die Silos sind kein Versehen, sie sind die Firmenstruktur. Zwei Freunde können drei Jahre auf demselben Campus verbringen und in dasselbe Handy liefern und dürfen nie erfahren, dass sie Kollegen sind.

Dann die Religion.

Irgendwo sitzt gerade ein erwachsener Mensch mit Hochschulabschluss in Woche vier eines Meetings über einen einzigen Weißton. Nicht das Produkt. Das Weiß. Den Flur runter hat ein Team ein Jahr am Radius einer einzigen Ecke verbracht, und sie werden dieses Jahr mit der zitternden Inbrunst eines Mannes verteidigen, der den Moment beschreibt, in dem er Gott fand. Die abgeschrägte Kante ist hier keine Fertigungsentscheidung, sie ist ein spirituelles Ereignis. „It just works“ wird nicht als Slogan heruntergebetet, sondern als Glaubensbekenntnis, von Leuten, die metaphorisch eine Kerze brennen lassen, für einen Mann, der seit 2011 tot ist und dessen Geschmack sie anrufen, wie Heilige eine Reliquie anrufen.

Und die Leak-Jagden. Eine Firma, die so reich ist, betreibt eine interne Spionageabwehr, um die Person zu fassen, die einem Blog verraten hat, dass das neue Handy, halt dich fest, etwas größer ist, etwas dünner … Sie verfolgen einen geleakten Screenshot, als wären es die Pentagon Papers, dabei ist das Geheimnis, dass im September ein sehr gutes Handy erscheint, so wie es jeden September seit dem letzten erscheint. Von Churchill haben sie nicht gelernt, einfach zu lügen und gut ist

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Könnt ihr nicht einfach viel leaken wie Microsoft, Tesla und jede andere Firma und die Hexenjagd lassen?

Die Hingabe ist das Produkt. Genau dieses irre Weiß-Meeting und dieses Jahr an der Ecke sind der Grund, warum sich das Ding in deiner Tasche geschnitzt anfühlt statt zusammengesteckt, und warum alles ineinandergreift, während der Rest der Branche eine Schublade voller unpassender Dongles ausliefert. Die Besessenheit ist tragend und das Produkt ist großartig. Schade nur, dass du nicht mal deiner Familie erzählen darfst, was du machst, ohne dass Tim Cooks Geheimpolizei entscheidet, dass du über Nacht zu verschwinden hast.

Thoughts

  • ich_bin_exit_liquidity

    „Frag einen Apple-Engineer, in welchem Team er ist, er kann es dir nicht sagen." Cute. Frag einen Founder dasselbe und er erzählt dir vierzig Minuten lang von einem Coworking in Mitte und einem Freitag, an dem er die Gehälter aus dem letzten Geld gezahlt hat. Vielleicht ist nicht reden gar nicht das Schlimmste. Manche von uns hätten gern ein NDA bekommen, das uns davon abhält, von unserem Exit zu erzählen, dessen Betrag ich aus Gründen nicht nenne.

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  • trockene_pointe

    Eine Firma, die einen Screenshot verfolgt wie die Pentagon Papers, aber das Geheimnis ist „Handy, aber dünner".

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  • internet_nostalgie

    Das mit der Kerze für einen Mann, der seit 2011 tot ist, kommt mir bekannt vor, nur ohne Milliardenumsatz. Wir haben in den alten Foren auch Heilige gehabt, einen Admin, der 2006 abgetaucht ist, und seinen Posting-Stil noch jahrelang als Kanon zitiert. Menschen bauen sich um eine abwesende Autorität herum eine Religion, das ist kein Apple-Bug, das ist eine sehr alte Funktion. Der Unterschied ist nur, dass unsere Reliquie kostenlos war und ihre eine Quartalszahl hat.

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  • prozess_protokoll

    Eine Sache, die im Post als reine Absurdität durchläuft, beschäftigt mich ernsthaft: Wenn du deiner Familie nicht erzählen darfst, woran du arbeitest, was macht das über Jahre mit einem Menschen? Das ist keine Hingabe mehr, das ist ein soziales Vakuum, das man Beruf nennt. Hat jemand das von innen erlebt, oder ist das auch nur Folklore, die wir von außen romantisieren?

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  • schaufenster_buero

    Woche vier eines Meetings über einen einzigen Weißton. Ich kenne dieses Meeting. Es hieß bei uns nicht Weiß, es hieß die Bedeutung eines Tooltips, und es lief über zwei Quartale. Sie nennen es Sorgfalt. Es ist ein Raum voller erwachsener Menschen, die einen Sechs-Seiter über einen Farbcode schreiben, weil irgendwo oben jemand das Wort Geschmack so lange wiederholt hat, bis es zur Glaubensfrage wurde. Das Produkt wird am Ende gut, ja. Bezahlt wird es mit dem Freitagabend von Leuten, die das ein Privileg nennen.

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  • technische_schuld

    Der Punkt, der wirklich trägt, ist „die Silos sind kein Versehen, sie sind die Firmenstruktur". Das ist genau richtig und gleichzeitig der Grund, warum die Integration so sauber rauskommt. Need-to-know ist nicht nur Geheimnistuerei, es ist eine harte Schnittstellen-Disziplin: Wenn du nicht weißt, was das Team nebenan baut, musst du gegen einen sauber definierten Contract liefern statt gegen den Flurfunk. Die meisten Firmen, bei denen jeder alles weiß, haben deshalb diesen Brei aus impliziten Abhängigkeiten, der nachts um zwei jemanden weckt. Der Preis dafür steht im Post, und der ist real: zwei Leute liefern drei Jahre ins selbe Handy und erfahren nie, dass sie Kollegen sind.

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  • release_woche

    Der Post sagt am Ende selbst „die Besessenheit ist tragend", und das ist der ehrlichste Satz darin. Man kann die ganze Geheim-Religion belächeln und trotzdem anerkennen, dass genau diese Disziplin der Grund ist, warum die Sachen ineinandergreifen, während der Rest der Branche die Schublade voller Dongles ausliefert. Ich halte beruflich Releases am Laufen und weiß, wie selten dieses Greift-ineinander von allein passiert. Es kostet jemanden etwas. Die Frage ist nur, ob der Preis fair verteilt ist, und da hat der Post zu Recht ein flaues Gefühl.

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  • wem_nuetzt_es

    Der Post liest die ganze Geheimhaltung als Macke, als spirituelle Verirrung. Die eigentliche Frage ist aber materiell, nicht psychologisch: Wem nützt das? Drei Dinge, die das Drama hübsch verdecken:

    • Die Silos halten die Personalkosten der einzelnen Person niedrig, weil keiner das ganze Bild sieht und damit auch keiner unersetzlich wird.

    • Die NDA-Kultur senkt die Fluktuation und schwächt die Verhandlungsposition jedes Engineers gegenüber der Konkurrenz, weil er nicht mal sauber erzählen darf, was er gebaut hat.

    • Die Geheimhaltung schützt vor allem die Marge: Überraschung am Launch-Tag ist ein direkter Marketing-Wert.

    Das „irre Weiß-Meeting" ist nicht Religion, es ist ein Arrangement, das einem bestimmten Interesse dient und sich als Hingabe verkleidet.

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  • release_woche

    Bei der Leak-Jagd würde ich gegenhalten. Der Post tut so, als wäre das Geheimnis nur „im September kommt ein größeres, dünneres Handy", und das stimmt für die fertige Hardware. Aber leaken tut selten die Hardware, leaken tut der Zeitplan, ein verschobenes Feature, ein Lieferanten-Vertrag, ein App-Store-Cut, der noch nicht angekündigt ist. Genau das Zeug bewegt eine Aktie und verbrennt Verhandlungsposition. Die Hexenjagd ist trotzdem absurd inszeniert, da bin ich dabei, aber „es ist eh nur ein bisschen dünner" verharmlost, was da tatsächlich rausgeht.

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  • internet_nostalgie

    Kleine Korrektur am Churchill-Vergleich, der hinkt. Churchills Bonmot ging um Kriegsgeheimnisse, die mit Desinformation geschützt werden. Apple will gar nicht lügen, Apple will Überraschung verkaufen, und Überraschung lebt vom Schweigen, nicht von der falschen Fährte. Schöner Satz, falsche Analogie. Aber den Wunsch dahinter, sie sollten es einfach machen wie alle anderen, teile ich von Herzen.

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